Lets go to wherever
chaste myblog

süßer vogel und so weiter. im winter.

die hellen bäuche gegen das zertretne blau ich kann nicht atem holen meine hände zittern so kalt und dann die stille hier im dunklen raum nur draußen lautes flügelschlagen hör ich stetig drinnen
I II III IV
unterwegs/kadlma

 CHABIBI

aleph bist du

I
cheresch. ich
taufe das knoten deiner hände
in meine haare


II
panim.  zieh mich aus
den mooren zieh mir mein
agamenschuppiges herz


III
nebbich. mein nackter zeh
unterm brautkleid höre
das brechen meiner lippen


IV
« ata » mein mund
verleibt sich diese fremdheit
ein & aus

aleph bist du
ein fremder buchstabe

 

 

 

 

 

weil
ich den tag am steg ausgebreitet habe, mit beiden händen habe ich ihn in streifen geschnitten; so faltete sich kurz darauf auch mein gesicht: dieses schlafen der stunden, dieses aufbrechen der atemzüge - die uhr am bahnhof bleibt tag für tag wieder auf taubblindstumm stehen. & vielleicht ist es nur das schöpfen der sauer gewordenen milch aus den mündern, das uns stocken lässt.

darum & warum
ich keine geschlossen-schilder an diesen blog hängen möchte und es jetzt dennoch tue: die lücken fallen in mich uns aus mir und manchmal auch hinter mich. das hier war eine. und rückwärts laufen hab ich aus meinem terminkalender gestrichen. das bloggen war ein wenig, wie sich das rechte aug zudecken und die bilder in dieselbe richtung springen lassen und dann sagen, ich bin nicht rechtsäugig, ich bin blauäugig und kein ja finden, nur vielleicht und manchmal nein.

 

und
zwei bilder dalassen.


I
metamerzpreis 2009. chinesisches essen auf salzburger hotelzimmer & die füße blaugetaucht, socken ziehen wir nicht an, weil das gegen die regeln eines in den oktober geworfenen tages verstößt//später: der grundton,den ich anschlage, ist beinahe zu hoch, ich kann ihn auflesen zwischen den lücken, die ich falle. zwischendurch ein versuch, die töne straff zu ziehen, wie sie sich wellen an den lippen &- von meiner haut schält sich die rinde.

II
praktikum gastronomie frankreich, 3 monate. ein ausgeschnittener atemfleck: drei monate im plural, hiervon dasselbe im praktikum. später ein erinnern an sonnenkleckse im nacken, rückseits verwischte uhrzeitangaben und wie wir die worte an die leine legten, weil sie sonst reiß aus genommen hätten. ich sage weißt du und denke du sollst nicht wissen. weil esgargot nicht so schmecken, wie sie bildern und wir die speisekarte mit zitternden fingern auf grenouille legen und nicht wissen, ob wir fragen sollen, nach einem c'est quoi ca?

er hat sie nur kurz an der wange berührt, dann kippte das schrattenkalkene wort in die parallele und brach hinter ihr ein: das milchblaue scharren der nacht schlägt sich hier nicht anders die knie auf an bordsteinkanten.
luftanhalten war nicht genug.

 



weil
manchmal, da klemmen wir uns muscheln in die münder, nennen sie bivalvia und kommen uns schrecklich klug vor, manchmal, da legen wir unsere worte in die muschelbetten, lassen sie schlafen & schlafen & dann, wenn wir sie herausziehen, müssen wir schrecklich vorsichtig sein, damit sie sich nicht den bauch aufschlitzen an den gezackten muschelrändern. & manchmal sind wir nicht vorsichtig genug, dann platzen die worte auf.



ich will sagen: wisst ihr, die texte bleiben, nicht hier, aber nachlesbar in jener und jener anthologie und dieser und dieser zeitschrift. denn ich war schon immer lesbar und das werde ich bleiben. aber bloggen hört sich so plötzlich nach googel und wikipedia an, dabei ist beides nicht mehr mein nachschlagewerk.
ich will sagen: bin fort.
ich sage: ich werde da sein.

6.11.09 15:11


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vogelfrei

prolog
geschürt. ein aus lidflattern geknüllter sommer, kaltblütig an die haut geschnitten.
die bühne ist ein baumstumpf, licht kommt von rechts, blau durchzogen. anna kommt auf die bühne, ihr kleid graunass, sie hüpft, sie humpelt, man weiß es nicht. sie lacht.

anna
im singsang
die luft ist kalt, ich drück sie aus, ich nehm sie mit, so ist der himmel auch, so ist das mit dem, das aufwärts liegt & abwärts saure milch und-
stoppstoppstoppstopp.
dreht sich um, dreht sich um, dreht sich um, dreht sich. erschrockener gesichtausdruck, sie legt die finger an die mundwinkel (daumen/zeigefinger), schiebt sie nach oben.
& ich lüge euch wahrheiten

sie legt den kopf in den nacken, als hörte sie zu.

anna
du hast keine ahnung, die kälte ist gut, sie tut gut. nein, du weißt nichts, nein, wir bleiben. hör zu. hör zu, sag ich.
eins. die nacht fällt mir zwischen die wimpern, dann: ich schleife die stunden ins querschnittsgelähmte, ins taube; in solchen zeiten bleiben sonnenflecken an hals, an wange, an fingerspitzen & alles nur ein gefühl von zurechtrückendem licht (und berechnung des schattenfalls).

rauschen rechts an der bühne, anna hält inne, nickt zweimal, legt den kopf in den nacken, zuckt die schultern.

anna
zwei. ich habe mir meine wörter um den hals geknotet, dort ersticken sie mich leichter & bin ins stimmbrücherne gewandert. doch, so ist es wirklich, so ist es. hör zu, hör zu, du hörst es, bald bin ich stimmlos, hörst du? bald, ja, hörst du? bald.

hört zu, schüttelt verärgert den kopf.

anna
nein, wenn ich's doch sage, ich werd stimmlos, ich weiß es und-
hört zu. schüttelt den kopf, seufzt.
bald, bald ist bald, nein, es gibt keine zeitdauer, kein datum, bald, das ist eben bald, so ist das und bald werd ich stimmlos sein. du verstehst das nichts, du weißt nichts, aber du bist gescheit. so ist das. hör jetzt zu, hör zu.
drei. im mundlos ertasteten müht es sich rotfach um das richtig gesprochene blau eines fremden himmels.

anna dreht sich im kreis, schlingt die arme um sich selbst, lächelt.

anna
im singsang
ein geschluuungenes fragezeichen lang nur: wiedumichimarmhältst, wie deine arme micht halten/dann rufezeichen/ wiedeinearme!, wie du mich hältst, wie du mehr hältst, als ich bin, wie du hältst, was du denkst, das- wie du mich hältst.

schüttelt heftig den kopf

nein, das war es, das ist genug. aller guten dinge sind drei, so heißt es, so heißt man es, immer schon. ja, es kann keine rede sein von gut, aber das tut nichts zur sache.

sie nickt, streicht sich die haare zurück.
hört kurz zu.



anna
die wahrheit? das war die wahrheit, wir können sie aufschneiden, dann sage ich dann vielleicht dann sage ich: meine worte haben die rinde einer ahornblättrigen plantane, ich kann sie mit den händen häuten.

hört sehr kurz zu.

du hast recht, es muss eine vierte wahrheit sein, es ist keine rede von allergutendingesinddrei, das wäre gelogen.
vier. ich pause die tage auf leuchtpapier und lege sie übereinander, was über fensterkreuz mal himmel schneidet, zerreiße ich. & nichts ist grund genug.

anna geht rechts ab; kommt mit einem aufnahmegerät wieder, drückt auf PLAY. ihre schritte, ihr atem, dann ihre worte. sie hört sich zu, nickt, schüttelt den kopf.


anna
es ist nicht schlecht, es ist vielleicht gut.

legt den kopf in den nacken, hört zu.

nein, es geht nicht um mich, es geht um es, nein- wie bitte? soll das ein vorwurf sein? es geht nicht um mich, nein. es geht um es. ich sage: es ist gut. oder: es ist schlecht. ich sage nicht: ich bin gut. ich bin schlecht. es geht nicht um mich, nein, so etwas sagt  man nicht, so etwas nicht, hör auf.

hört zu, schüttelt den kopf, rennt zum einen der ende der bühne, zum andern, schreit.



anna
hör auf, es geht nicht um mich, es geht um es. es- NEIN.

 
sie weint, in der mitte der bühne ein kreuz, sie setzt sich darauf, hört auf zu weinen, blinzelt ins scheinwerferlicht, schaut in die bühne, blinzelt, beginnt wieder zu weinen, laut, leise.

 

 

 

epilog
anna steht auf der bühne, die hände hinter dem rücken verschränkt, sie dreht den kopf, sieht zum bühnenende, vielleicht steht jemand dahinter, sie nickt.

anna
also:
mir ist die perspektive zerredet. das ist die wahrheit.
ich stumme von mir und laute von einer andern.
und noch wahrer ist:
es fehlt beiden sätzen ein cresscendo und ein punkt, obwohl ich einen sage, es ist keiner da, den lüge ich hinzu. so ist das. ich weiß das, aber wenn ich die  hände gegen das licht halte, kann ich vogel sein, bin vogelfrei. deshalb. nur damit sie's wissen: ich weiß das. ich weiß es.
und manchmal weiß ich mich.

sie lächelt, nickt, klatscht in die hände, sieht zum bühnenende, nickt nochmals.

anna
der bühnenvorhang kann jetzt herabgelassen werden. es ist vorbei.

anna ab.

5.9.09 18:21


außen vor

- meine kleine, ich glaube, das, was wir haben, ist ein bisschen heimweh. 
- das- das, was ich habe, ist kein heimweh, das ist ichweh.

hier zu sein, fühlt sich an, wie aus meiner haut zu schlüpfen, die Welt wie ein Tuch in trüb gewordene Milch tauchen, weil man hier Sätze sagt wie: "Abwärts lagern wir das Licht" oder "Ich will sagen, will sagen, will sagen, will-" und Sätze denkt wie: "Ich wollt nie so sein, wie alle sagen, wollt nie einem Sagen ein Nachsagen sein können".
hier zu sein, das ist ein wenig, wie mich von mich von innen nach außen klappen, und weil sie hier die Wege mit Nadel pflastern müsste man dann vielleicht ein "Bis ins Innerste zerpflückt" weinen, weil jedes Ca va? Oui, ca va eine Lüge ist. Hier zu sein, Mama, ist wie neben mir zu stehen, über mir, unter mir und zwischen mir zugleich, ab und an in mir (doch dann fühlt es sich an, wie da nicht hinzugehören), neben Spiegelbildermalen, und alles nachmachen, was das Mädchen dort tut, heb die Hand, sag nicht "küss die Hand", sag "küss den kleinen finger, den zeigefinger, den mittelfinger, den ringfinger, den daumen, küss die lebenslinie von unten nach oben und umgekehrt".

am telefon sind die menschen andere. ich habe versucht, das ich zum telefonich  zu machen und bin gescheitert. nun ist das telefonich ich.
jedes lachen anderer am ohr schliert wie glacon zwischen fließen.

- irgendwann glaube ich es, weißt du. ich kann nichts. ich weiß nichts. ich bin nichts. herrgottnochmal, ich habe begonnen, in die seitenstraße einzubiegen und ich war mir der einbahnstraße nicht bewusst. ich kann nichs. ich weiß nichts. ich bin nichts.
- empfänger unbekannt & gut so.

sélestat/dienstag letzte woche.
der luft drückt von vorne. in schatten/sonne-geschnittene landschaft. drei stunden avec le velo. die hitze an die haut geklebt. schotterweg & der himmel wie frisch gestrichen. das lachen in jedes straucheln. der horizont schneidet schräg übers grün. wir jonglieren unsere gedanken auf beschriftete bretter "was wäre wenn".

- ich weiß, manchmal ist er launisch.
- und weißt du, was ich weiß? (hier bricht der trotz in meinen tonfall) ich hatte schon zu oft zu viele "manchmal".


colmar/mittwoch diese woche.
der wind rückwärts schräg voran. apathie (die gefühle nebenan oder zuhause liegen gelassen). blicke wie ringe an die finger stecken.
zwei cds. björn. muse. vier tops. eine kurze hose. kajal. zwei neue notizbücher.
aus den augenwinkeln aus dem sinn: geschätze dreihundert gesichter gesammelt und vergessen. die stirn ans fenster schneidet die wärme in die kälte, den geräuschpegel vorgeschoben & wie sie mich von der seite anlinst, fallen mir keine worte mehr ein & wie wi später so zwischen anderen stehen, suche ich mich auf dem bürgerstein-
wie kann man einen fremden schatten denn bloß für den eigenen halten?



 


langsam erobern wir uns anfangssätze, -blicke und -lächeln. wir haben den rahmen nicht abgetastet, aber ich weiß, dass er keine zwei fingerbreit entfernt eckt.

24.6.09 20:09


andernorts

ich warte am morgen auf das gefühl von flüchtig sein, von schmetterlingszerrissenerhautgleichung. die restlichen stunden warte ich auf den morgen &
ich spreche zu oft von einem ich, das ein anderes ist.

ich bin nicht ehrlich, wenn ich schreibe: ich bin der text. er ist die geschichte, ist nicht ehrlich, überhaupt von einem er zu sprechen, wie das wort so weit weg hängt, irgendwo, die hand greift danach, man könnte es berühren, wenn man wollte, aber ich würde lügen, wenn ich schreibte: ich bin der text. du bist die geschichte, weil dieses sein dort wurzeln schlägt, wo man wurzeln in den himmel pflanzt, wo kein wasser und wo es ist, wie wenn ich sage: ich lecke schattenmorellen bis zum kern & dann so ein dialog vielleicht ein monolog, den mund in form gegossen, ihn gerade halten, dass er nicht ausläuft, es föhnt und er sagt, ich weiß und ich stoß mich an seinem, an deinem, an jemands ich, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie es wäre, dich zu halten, wie es wäre, du im königswasser badend, dir so die haut abziehen und dann fragen, ist dir kalt, oder etwas blödes, weil ich mich nicht traue zu sagen, ich habe angst vor dem sommer, oder, ich trau mir nicht & dann wieder leerräume in die schatten der worte reißen, die du mir vor einem jahr geschrieben, ich schreibe und schreibe über dich hinaus über mich hinaus irgendwo in einen tag hinein, den man wie asche auf der fensterbank zu kreisen legen könnte, möchte mich doch nur in deinen atem legen, oder lieber: leg du dich in meinen, such dir eine heimat, du sollst sie bei mir finden. s. sagt, wünsche dir vogelfreies und sagt, um dich mache ich mir keine sorgen & dann: ich frage mich, ob es daselbe ist: dir schenke ich keine sorge, wäre das etwas liebes? hingegen nicken meine worte, womöglich würd ich auch noch so nicken. es fühlt sich an wie weinen & den tag voran schieben. früher hätte ich vielleicht geschrieben: du, ein wenig straucheln dabei, aber nicht knicken, und dann: wenn ich zu dir käme, wie nackt dürfte ich sein? jetzt sicher sein, selbst wenn du so die wirbelsäule mir durchs schlüsselloch gezeichnet hättest, ich hätte nicht nackt sein dürfen, keine frage nach dem ausmaß, ich hätte es nicht gedurft, für mich nicht. kein wimpernfall dem du.
jetzt bist du er. wenn du jetzt lächelst, werde ich nicht am grund der wasser sein, denn unter der oberfläche so verwischt etwas an der haut, das nie war, verwischt etwas in den händen, das nie festgehalten. ich möchte in ihm lesen wie in einem wasserzeichenbuch/es ist nicht lieferbar, womöglich passenderweise ins blau schraffiert: es ist vergriffen. wortwörtlich. und ich weiß jetzt, dass ich ihn nicht festhalten kann, es ist nur ein ausharren im tag schleppen, im nacht zerdrücken, obwohl diese schon ausgetrocknet am steg liegt, es tut weh, unter deine haut zu graben. ich wollte dir gestern, heute und morgen sein. wollte dir dein "du" sein.

jetzt: fingerreisen auf globus. ich weiß, dass ich jeden anderen an dir messen werde, auch wenn ich dich nie vermessen habe, aber licht keimt überall. ich wünsche mir so einen, bei dem man nicht nur in briefen nackt ist.
der sommer ist mir eine perspektive.

er und du, ihr habt gesagt: willst du das wirklich.
er und du, ihr habt gesgat: bist du dir auch sicher, dass du das willst?
und weil ich ja gesagt habe und es sich anfühlte wie nein, aber weil ich ja gesagt habe, ist es unrecht, wenn ich jetzt sage: wieso hast du nich gesagt, dass du meine schmerzlichkeit in deiner flüchtigkeit nicht bei dir hältst? &
auch ist es unrecht zu sagen: es hätte etwas geändert. ich wäre nicht schon früher in den dezember getastet, nur weil ich gewusst hätte, dass es früher oder später sowieso schneit. ich habe vergessen, dass mein nachhall schon von zwischenrufen gefiltert.
 

was weiß er denn vom süden und der hitze gleißend
und davon dass ein mensch im dunkeln offnen auges liegt

nadja küchenmeister

sterben im noch greifbarsein. sterben wegen des greifbarseins.
bedeutet sicherheit langweile, habe ich einmal gefragt. erst r., dann m., dann s., dann hat es m. in "das mit z." z. gefragt. nur auf mich hab ich vergessen. weil ich zweifelte am ich & jetzt rede ich wahr, wenn ich schreibe: ich möchte abschiedsspuren legen und weiß nicht, wohin.

12.6.09 19:48


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